Dienstzeitende

Japp, da ist es nur noch ziemlich genau ein Monat und dann ist mein “praktischer Abstecher” hier in den Staaten schon wieder um. 11 Monate werden vergangen, massig Erfahrungen gewonnen und Einblicke gewaehrt worden sein.

Am 14.10.2007 bin ich angekommen, um eine Woche spaeter mein Praktikum anzutreten. Am 23.09.2008 werde ich meinen Arbeitsalltag beenden, um mich nicht ganz eine Woche spaeter auf den Heimweg zu machen. Dazwischen lag eine ganze Menge Arbeit, die mich unheimlich im praktischen Bereich weitergebildet haben. Ich hab mich selber besser kennengelernt und, sehr wichtig, ich hab meine Kenntnisse ausbauen koennen.

Dazwischen lagen aber auch Erfahrungen, die nicht ganz so positiv waren: der erste Autokauf endete in einer finanzielle Katastrophe, die ich zum Glueck noch abfedern konnte. Beim zweiten Versuch wurde ich wieder ueber die Ohren gehauen, aber bei weitem nicht so schwer wie beim ersten Mal. Ich hab erfahren, wie es ist, abgeschleppt zu werden. Und ich hab erfahren, wie es ist in Vegas zu verlieren (aber auch ein bisschen was zu gewinnen). Natuerlich gab es auch im Arbeitsleben ein Auf und Ab. Sei es, von oben einstecken, aber auch nach “unten” austeilen zu muessen. Doch aus all dem habe ich gelernt und es hat mich aufmerksamer gemacht fuer die Zukunft.

Alles in allem habe ich fuer meine zukuenftige Karriere dazugewonnen, ich weiss, worauf ich mich fokussieren will und ich weiss, woran ich arbeiten muss. Im Endeffekt muss ich sagen, nehme ich groesstenteils nur Positives aus dem vergangen Jahr mit.

Allerdings bedauere ich eine Sache dann doch: Aufgrund des Praktikums bei der deutschen Firma SAP A.G. bin ich mir nicht sicher, ob ich sagen kann, wirklich einen Einblick in die Zusammenarbeit im speziellen mit Amerikanern gewonnen zu haben. International war es auf jeden Fall! Neben Deutschen, genoss ich das Arbeiten mit Kollegen der Nationalitaeten Russisch, Indisch, Irisch, Mexikanisch, Japanisch und anderen – natuerlich auch Amerikanisch!

Wenn ich auch nicht mit Amerikaner im grossen Umfang auf Arbeit zu tun hatte, so habe ich dennoch deutliche Einblicke in die Kultur und das Leben der USA gewonnen. So weiss ich nun, dass Amis staerker aufs Geld fixiert sind, als ich es bisher irgendwo erlebt habe. Man muss hier immer auf der Hut sein und Hinterfragen, ob einem der Kaeufer nicht ueber den Tisch ziehen will. Amerikaner lieben sich selbst und sie feiern sich selbst – das will ich an dieser Stelle nicht als negativ darstellen. Ich denke, zu einem gewissen Grad sollten wir uns das in Deutschland abschauen – wobei wenn ich beispielsweise ans Huettenstaedter Stadtfest denke, halten wir da schon ganz gut mit! :)

Zu einigen Vorurteilen:

  • Amerikaner sind oberflaechlich
    Ich gebe zu, der Eindruck kann schnell erweckt werden. Ich denke aber, dass es daran liegt, dass man sich hier deutlich einfacher zu einem Smalltalk hinreissen laesst, ja es gehoert nahezu zum guten Ton, ein bisschen oberflaechlich zu quatschen, insbesondere wenn man anschliessend wichtige Details besprechen will. Zu dem Vorurteil gebe ich also ein eindeutiges: Vielleicht. Soll heissen, wenn du mit einem Ami zu tun hast, was nur temporaerer Natur ist, wird er oberflaechlich zu dir sein. Hast du aber die Moeglichkeit, einen Amerikaner genauer kennenzulernen und die Beziehung etwas tiefer gehen zu lassen, als nur “auf Arbeit”, dann stellst du fest, dass die Amerikaner sehr offen sind und dir auch helfen wollen – mit anderen Worten: alles andere als oberflaechlich.
  • Amerikaner bewegen sich im unteren Grenzbereich des IQs:
    Es geht ja immer wieder das Bild des Amerikaners um die Welt, der sich nur um sich selbst kuemmert, bis vor die Haustuer denkt und sich mit dem Programmieren des Videorekorders besser auskennt, als mit dem kleinen 1-mal-1. Auch hier gibts von mir ein klares: Eventuell.
    Ich habe nun 2 Amerikaner naeher kennengelernt, mit denen ich zum einen zusammen gelebt und zum anderen zusammen gearbeitet hab. Eine Person stellte sich dabei als sehr Grenzwertig heraus. Mit Aussagen wie “Ab jetzt bin ich auf einer 40-Kalorien-Diaet” oder “Milch ist nicht gesund fuer den Menschen … Kuehe trinken doch Milch” wurde dieses Vorurteil im vollsten Umfang bedient.
    Auf der anderen Seite habe ich aber einen Amerikaner kennengelernt, der sich weltoffen zeigt, Interesse an Europa besitzt, sich mit innenpolitischen Themen differenzierter auseinandersetzt, als manch Deutscher und einfach immer wieder ein netter Umgang ist, mit dem auch seine Scherze machen kann und er auch seine Scherze mit dir macht.

Naja am Ende gilt die Grundregel aller Stereotypen: Es gibt einfach keine! Verallgemeinert niemals, kehrt nicht ueber einen Kamm. Aber Moralapostel will ich ja nicht spielen.

Hm … Aber …

2 Vorurteile bewahrheiten sich doch:

  • Amerikaner sind schlechtere Autofahrer, als Deutsche!
    Oh man … Oh ja! Dickes JA! Aber schlimmer als Amis sind dann doch die Fahrer aus dem ost-asiatischem Raum. Da bleibt mir so oft nichts weiter als Kopfschuetteln uebrig! Wenn ihr beispielsweise auf einem 4spurigen Freeway ein Auto seht, dass auf der linken Spur faehrt und bei 65 mit 45 rumschleicht, ist es entweder ein Ami am Telefon oder aber eben jene erwaehnte Nationalitaet. Das ist kein Rassismus, sondern Fakt, ihr duerft gern mal Antje fragen!
  • In den USA gibt es jeden Tag Schiessereien.
    Das Ja ist noch deutlicher, als das von eben. Hey ganz im Ernst, ich hab auch damals immer gedacht wenn was im deutschen TV kam: “In Amerika gabs ne Schiesserei … Das sterilisieren die aber auch wieder hoch und zeigen nur das Schlimmste!” Nun weiss ich: International sieht man nur die Spitze des Eisberges. Ehrlich, hier gibts beispielsweise einen Stadtteil, der nennt sich East Palo Alto. Jeder weiss, da willst du nicht hin, nicht mal wenn du es musst. Da findet jeden Tag was statt, man muss nur mal die Webseiten lokaler Zeitungen besuchen. In den lokalen TV Nachrichten kommts aber meist nur noch, wenn einer bei den Ueberfaellen/Uebergriffen/Schuessen stirbt. Wird jemand “nur” angeschossen, gibts eine kleine Erwaehnung nebenbei auf den angesprochenen Seiten.
    Gut am Ende ist es auch hier so, wie ueberall: Jede Stadt hat seine Schattenseiten. Nur dass hier die Schattenseiten deutlich dunkler sind, als im Heimatland. Nicht zuletzt auch, weil hier einfach mitunter ein Mangel an Polizisten herrscht.

Aber wie gesagt, alles in allem nehme ich Positives aus dem letzten Jahr mit. Nun freue ich mich auf die Heimat, auf Freundin, Familie und Freunde. Und ich freue mich auch darauf, wiederzukommen. Denn das steht fest: mein Bestreben hier zu Arbeiten, zu Leben und alt zu werden hat sich nur noch mehr verfestigt und wurde in den vergangen 11 Monaten von einem Traum zu einem Ziel umformiert!

Autor: Pedda
Datum: Montag, 25. August 2008 8:34
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